Tanzen, Saufen, Megapeng
Oktober 29, 2006
Samstag. Der Plan ist seit einer Woche klar. Die Durchführung rückte näher. Nach dem Aufstehen bin ich gleich los um den Vodka zu besorgen. Danach lege ich mich ins Bett, um DVDs zu sehen und mir die Zeit zu vertreiben. Aus dem Zeitvertreib wird eine gute Methode die Aufregung zu killen. Ich sehe eine Menge Verfilmungen von Comics aus dem Hause Marvel, bis ich im Bad verschwinde um mich für den Abend vorzubereiten. Es gibt heute Nacht drei geplante Stationen.
Die Tür geht auf und es ist noch weitaus voller als man von der Straße aus sehen konnte. Der warme Dunst von Kippen, Bier und Schweiß schließt uns ein. Es ist eine „Rumstehen und Trinken“ – Party und alle sind sie da. Wegen des Räuberhöhlekonzertes sind sogar Gäste aus Greifswald und Wismar angereist. Ich komme gar nicht dazu eine Runde durch die Wohnung zu machen. Der Welterklärungsthresen trifft sich im Flur. Ich steige in die Debatte ein und habe dann auch eine sehr interessante Unterhaltung.
Irgendwann wollen die meisten Gäste losgehen. Ich warte noch. Ich warte auf meine wunderschöne Begleitung. Als wir uns auf den Weg machen, regnet es mal wieder. Im JAZ scheint es zunächst nicht sehr voll zu sein. Als die Lampe an der Räuberhöhle beginnt zu leuchten und die Musik anfängt, füllt sich aber der Raum sehr schnell. Ich bin ziemlich angetrunken. Erinnerungen fehlen. Ich sehe höchstens drei Lieder. Beim inzwischen dritten Konzert von Räuberhöhle in Rostock ist aber wenigstens der Knoten geplatzt. Das Publikum tanzt und hat Spaß. In meinen Erinnerungsbruchstücken taucht auch eine Sequenz auf, in der ich auf dem anderen Floor bin weil dort gerade ein schöner Track läuft. Aber so richtig viel tanze ich an diesem Abend nicht. Der Vodka zeigt unzweifelhaft seine Macht. Eigentlich sollte es hinterher ja noch weitergehen und eine weitere Party besucht werden. Der Fußweg im Regen lässt aber die Einsicht gewinnen, dass wir zu breit sind.
Und dann erlebe ich eine Premiere. Zum ersten Mal seit zwei Jahren isst meine Freundin einen Döner. Dieser ist ziemlich ekelhaft und landet nach 200 Metern im Müll. Da waren wir aber auch eh schon zu Hause. Das Bett empfängt uns und wir versinken mit unserem gigantischen Rausch in den Schlaf.
Das Wort zum Sonntag hieß: „Ich fühl mich wie ein Vampir und der Dönerladen ist die Sonne.“ Und ja, so sahen wir auch aus.
Damit der Mittwoch auch weiterhin einen Höhepunkt hat.
Oktober 27, 2006
Jeden Mittwoch ziehe ich, wenn ich nach Haus komme die Jungle World aus dem Briefkasten. Auf dem Weg bis zur Tür habe ich meist auf der letzten Seite, die neueste Entwicklung im Big Beatland gelesen.
Da die Zeitung nicht sehr groß ist, gerät sie regelmäßig durch Abokündigungen in finanzielle Bedrängnis. Aber es wäre sehr schade nicht mehr „Links, radikal und glamourös“ informiert zu werden. Daher heisst es: Jetzt oder nie mehr!
Herbstmorgen
Oktober 27, 2006
Diese Musik finde ich gerade richtig schön. Heute morgen um kurz nach 7 Uhr musste ich schon auf die Straße. Da ist Portugal. the Man dann genau das Richtige auf den Ohren, während die Füße durch das nasskalte Laub der Bäume laufen.
20.10.06 – Mono Für Alle!
Oktober 23, 2006
Am Freitag ging es zunächst eher halbherzig ins Jugend Absturz Zentrum. Auf dem Hinweg hatte ich eine eigenartige Unterhaltung. Jemand mit dem ich sonst nicht mehr sehr oft zu tun habe begann mir wilde Storys über meine Freundin zu erzählen. Das war so bizarr, weil die Story im üblichen „das Private ist politisch – und deshalb geht mich auch alles etwas an“ -Style rüber kam. Das war aufschlussreich und erschütternd. Da fragt man sich denn doch: Was wollt ihr eigentlich? News? Oder geht es euch auch darum, wie es den Menschen geht, die Gegenstand eurer Szenenews werden?
Na ja. Ich bin dann irgendwann in den Schuppen. Die ganze Subkultur ist schon dar. Mono (wohl nicht umsonst auch umstritten) spielte schon lange. Ich bekam noch ganze drei Lieder mit, Diese ergriffen mich erst sehr langsam, da ich vorher noch draußen telefoniert hatte und mich auch diese Musik auf Schlag nicht so schnell auf ihren Stimmung runterziehen konnte.Was mir dann sehr gefiel war das „Ich will Erich Honecker zurück“ – Lied. Ich fragte mich aber beim Blick in die Runde, wie weit der Sinn für Ironie beim Publikum ging.
Auf dem anderen Floor haben dann Emoboys ihr Bestes gegeben, deren Namen ich nicht wusste. (Im Nachhinein würde ich mal vorsichtig vermuten, dass sie Leander hießen) Das hört sich jetzt wieder so von oben herab an. Aber die Jungs fand ich wirklich toll! So ungefähr wie: Postal Service drehen durch und lassen auch mal ne Gitarrenwand und so durchgehen. Dabei wurde sich selbstverständlich durch die Haare gefahren und wieder der Scheitel glatt gezogen. Aber es war tolle Musik. Leider ist mir das Durcheinandertrinken während des Abends nicht so gut bekommen.
Nächstes Wochenende gibt es ja dann zwei Termine. Räuberhöhle im Absturzzentrum und außerdem gibt es ne Party mit Fortschritt 3000. „Entweder – oder“ ist eine blöde Altnernative also wird es auf ein „sowohl als auch“ hinauslaufen. Und dann gibt es auch kein wildes Durcheinandergeschlucke.

ich, die Nervensäge und das Zentralnervensystem
Oktober 21, 2006
Erst vor wenigen Tagen, haben ein Freund und ich uns unterhalten und unsere Witzchen über Naturwissenschaft und Positivismus gemacht. Gestern saß ich dann in einer Neurologie Vorlesung. In war in der Höhle des Löwen, ohne Ahnung von dem was er redete aber mit genug Ablehnung um alle paar Minuten den Kopf zu schütteln. An dem Dozenten sind die wichtigen Diskurse der letzten Jahre scheinbar vorbeigegangen ohne ihm etwas anzuhaben, ohne das nur ein Funke Verständnis bei ihm zu finden war. Alle Bestrebungen in der Wissenschaft zu einer Sprache zu finden, die Diskriminierungen nicht reproduziert (so sehr man an der Art wie diese Bestrebungen betrieben wurden und werden auch Kritik üben kann) waren ihm offenbar völlig unverständlich.
Er referierte beispielsweise, dass man bei Oligophrenie durchaus von Schwachsinn reden kann, weil dies ja immerhin die deutsche Übersetzung sei. Rückübersetzungen medizinischer Termini ins Deutsche waren überhaupt eines der Steckenpferde, die er zu haben schien. Darüber hinaus war er mit einem ausgeprägten Mitteilungsbedürfnis gesegnet. Er verließ dabei stets das Terrain auf dem er Fachmann ist und franste seine Ausführungen zu allen Rändern des Themas aus. Logisch fand er sich dann mit seinen Ausführungen auf Feldern wieder die wissenschaftlich gesehen der Soziologie oder der Politikwissenschaft zufallen würden. Er redete aber so unbekümmert als befände er sich in einer Talkshow über Geschlechterunterschiede. Das empirische Material für seine Thesen hatte er in seinem Familien und Bekanntenkreis erhoben. Zum Beispiel führte er aus, dass Frauen ja viel weniger trinken würden, als Männer. Dabei hatte er schon das Bier, dass (ja) alle(!) Männer trinken, rausgerechnet, wie er versicherte. Ich konnte wegen seinem Gequatsche kein Buch lesen, aber auch nicht ihm zuhören und gleichzeitig ruhig bleiben.
Der Dozent hatte zu Anfang ein verlockendes Angebot gemacht das selbst in den Geisteswissenschaften dieser Universität langsam immer seltener wird: Wer nicht kommen will, muss auch nicht. Am Ende würde er alle Scheine unterschreiben die man ihm vorlegt.
Ich würde nicht sagen, dass man etwas verliert wenn man in der Veranstaltung sitzen bleibt und sich tatsächlich etwas über das Zentralnervensystem beibringen lässt. Wie ich mit seinem Weisheiten-Überschuss klarkommen soll weiß ich aber noch nicht.
Aua mein Schädel…
Oktober 21, 2006
Gin, Vodka, dann ein Bier für unterwegs, Mono Für Alle, Pfeffi, Bier, Leander, Bier
Talkin’ is over…
Oktober 19, 2006
…drinkin’ is on! So war das nicht gemeint. Aber, Halt! Vielleicht von vorne. Heut Abend habe ich mal wieder einen Ausflug in die alternative Jugendkultur unternommen. Alles war geplant und alles lief nach Plan an. Um kurz nach acht habe ich den türkischen Imbiss des Vertrauens mit meinem Abendessen in Händen verlassen um mich in dem Café einzufinden, was in dieser Stadt gemeinhin als der Autonomentreff gilt. Nun gut ich war vorbereitet und ich wusste, dass ich einen Döner oder ein paar gebratene Nudeln vom Vietnamesen auf jeden Fall den Vorzug vor diesem Volxküchenessen geben würde. Das ist ja alles auch weiter gar nicht wild.
Wir haben dann auch sehr entspannt angefangen einen dreistündigen Schinken aus den 60ern zu schauen. Einen bisweilen ganz großartigen Schinken, wie wir herausfinden sollten. Wir sahen Exodus mit Paul Newman und Eva Marie Saint. Da der Film allerdings 3 Stunden lang geht, wechselte unsere Backgroundbegleitung. Irgendwann tauchte mein Mitbewohner auf, um sich ein paar Biere zu geben, bis er mit dem Grossteil der Gäste verschwand um ein Grindkonzert zu besuchen. Nun ja- business as usual könnte man meinen. Nur wurde es nicht etwa leiser. Denn irgendwann kamen auch die engeren Genossen runter in die Kneipe. Das sind die, mit denen man Politik macht, wenn man nüchtern ist.
Sie waren aber nicht nüchtern. Ich wollte diesen Film sehen. Dafür war ich hergekommen (und ich habe mich schon ziemlich lange nicht mehr an einem Donnerstagabend dort blicken lassen.) Aber es gab keine Ausnahme von der Regel. So geschah mal wieder das, was immer geschieht. Ein Genosse mit dem ich mich zwei Tage zuvor noch nüchtern wunderbar darüber verständigen konnte, dass die rationalisierende Sinngebung und damit Kultivierung des eigenen Elends ja wohl absolut eklig ist, fängt wieder an das täglich grüßende Murmeltier zu machen. Ab einem gewissen Pegel ist halt Schluss und dann gibt es nur noch „mich und die“. Ohne Rücksicht auf Freundschaften oder die eigene Würde wird alles und alle angepöbelt um sich an eventuell daraus entstehenden Konflikten gerne auch handgreiflich bestätigen lassen, dass die Welt es mit ihm nun wirklich nicht gut meint.
Und genau auf den Scheiß habe ich überhaupt keine Lust. OK, dieser Blog heißt „besser scheitern“ zu recht kann daraus geschlossen werden, dass ich nicht daran glaube das ich ganz von allein glücklich werde. Aber genau dieser abgespaltene, auf andere Menschen projizierte Selbsthass macht mich echt wütend. Wenn solche Menschen dann auch noch ihre sexistischen Mackereien damit entschuldigen wollen, dass sie ja straight gegen jeden Antisemitismus sind, hört es ganz auf. Was für Penner? Die haben die Kritik genauso verdient wie irgendwelche Ökos die sich ihr Einrichten im Elend schön lügen. Die spucken auf Hippies, weil sie dort genau das angreifen können, was sie an sich selbst hassen. Ich habe keinen Bock auf so einen Scheiß. Da lese ich lieber ein gutes Buch, oder geh tanzen.
kein richtiger Kuchen aus der falschen Bäckerei…aber was soll’s?
Oktober 18, 2006
Gestern habe ich mir an einem Tag meine favorisierten Referatsthemen, für die wichtigen noch zu machenden Leistungsnachweise, gesichert. Damit ist meine Zeit bis in den November hinein gut ausgefüllt. Die Themenvorschläge waren aber auch zu interessant um länger zu zögern: Eine Einführung in die entwicklungspsychologische Theorie Sigmund Freuds und Die Rolle von Gewalt bei der Herausbildung einer kollektiven Identität am konkreten Fall der Volksgemeinschaft im Nationalsozialismus. Bevor ich den Zuschlag bekam steigerte sich – wie immer – die Aufregung enorm an. Hinterher merkte ich dann dass meine Hand immer noch zitterte. Aber ich war glücklich. Auf dem Weg nach Hause grübelte ich mir die zu lesende Literaturliste zusammen und dann passierte etwas.
Mir fiel auf wie viele Projekte ich im letzten Jahr begonnen und aufgegeben hatte. Dies führte zu der Frage ob es nun definitiv Zeit ist einzusehen, dass ich nicht mehr zum Training gehen, dass ich keine neuen Beiträge fürs freie Radio machen werde, dass ich womöglich kein neues Fanzine machen werde. Die Anfragen von Bands haben sich ja bereits von ganz allein verflüchtigt. Ich selbst war aber auch schon ewig nicht mehr auf einem Konzert.
Plötzlich blinkt die große Tafel vor dem geistigen Auge: „Ist das jetzt deine Verspießerung?“ Bist du jetzt so „erwachsen“, dass du den Quatsch nicht mehr machen willst? – Uffff!
Den restlichen Weg bis zur Tür war ich damit beschäftigt, dies mit mir auszudiskutieren. Es ist ja immerhin nicht so, dass ich plötzlich aufhören würde alle diese Dinge zu tun. Ich habe schon längst aufgehört. Ich habe mich bloß noch nicht damit abgefunden, dass dies ein echter Abschied sein könnte. Bisher meinte ich immer noch: „Ja, ja ich fang irgendwann wieder an, wenn ich meine Zeitplanungen in geregelte Bahnen gelenkt habe“. Das Problem ist, dass der Tag nur 24 Stunden hat. Da wird nicht viel mehr Zeit rauszuholen sein. Ich will nicht völlig verblöden und anfangen alles zu vergessen, was ich weiß. Momentan ist mir aber sehr stark nach einem besseren Stück Kuchen aus der Bäckerei des falschen Lebens, allerdings ohne mich dabei von der eigenen Ohnmacht dumm machen zu lassen.
Heute haben die Bauarbeiter mit der nächsten Etappe der Fassadenarbeiten begonnen. Direkte Vorbereitungen zum Finale. Als ich nach dem ersten Seminar in diesem Semester nach Hause kam, um den viel zu frühen Beginn auszugleichen und ein wenig zu schlafen wurde auf den Gerüsten bereits gearbeitet. Irgendwann wurde mein Mittagschlaf durch die Bauarbeiter wieder beendet. Spachtelgeräusche verhinderten effektiv ein nochmaliges Einschlafen.
Also bin ich in die Küche gegangen um mir etwas zum Mittag zuzubereiten. Dazu musste ich allerdings erstmal aus dem riesigen Berg von verdrecktem Geschirr ein paar Utensilien befreien und die Herdplatte soweit beräumen, dass ich kochen konnte.
Ich erinnere mich noch sehr genau an den Tag als wir mit unserem Vermieter über den Einzug in unsere jetzige Wohnung verhandelten. Dieser Vermieter ist der entspannteste den ich je erlebte. Unter anderem sagte er bei der Unterzeichnung des Mietvertrages „…und was ihr dann in der Wohnung macht ist mir total egal.“
Als ich während des Koches kurz mal aus dem Fenster blickte da sah ich ihn. Der Vermieter war auch auf dem Gerüst unterwegs und schaute rein und konnte in die Küche sehen. Plötzlich war sie wieder da die Sequenz:“…was ihr dann macht ist mir total egal.“ Ich weiß nicht was er so gedacht hat. Ich weiß aber was er gesehen hat: eine sehr vorbildlich und liebevoll eingerichtete Müllkippe.
„ich bleibe oft lange auf, trinke viel und schäme mich für uns alle“
Oktober 13, 2006
Hier nun ein Video von Torsun. Eine Lesung in Hamburg mit Alkoholmißbrauch. Aber wozu die vielen Worte? Seht selbst:
Weil ich bei wp irgendwie keine videos einbinden kann gehts hier per link zum video
