Jetzt wird’s schmutzig

November 28, 2006

Am letzten Samstag habe ich meine Unschuld verloren. Nachdem ich fast ein halbes Jahr kein Hardcorekonzert gesehen habe, wurde ich gefragt, ob ich an dem besagten Samstag mithelfen wolle bei einem Konzert mit Tackleberry. Diese wiederum waren auch die letzte HC Band, die ich im Sommer gesehen hatte. Nette Typen, coole Musik also: „Ja! Ich mach mit.“

Um 21 Uhr sollte planmäßig die Tür aufgehen. Meine Aufgabe bestand darin, am Einlass mitzuhelfen. Um 20. 45 Uhr wird die Tür, welche wegen bis dahin fehlender Gäste nicht verschlossen war, von außen geöffnet. Plötzlich strömen Menschen herein. Und alle haben irgendwie Sporthosen oder Hansapullover an. Baltic Boyz, Suptras, Barmy Army. Es wird klar, dass die erste Support Band Feine Sahne Fischfilet scheinbar ordentlich Werbung gemacht hatte. Mir ist ein bisschen mulmig, denn wir sind zu zweit an der Tür. Nach einem Schwall von 25 Leuten stockte es erstmal. Für ein HC Konzert in dieser Stadt ist es sensationell um 21 Uhr schon so viele Leute im Laden zu haben (traurig aber na ja). Letztlich blieb es dabei, dass der Großteil des Publikums aus Hansa Hools bestand. Dabei waren nicht nur diejenigen die sich klar antifaschistisch postionieren, sondern ne Menge unpolitische Suppe und eben auch rechtsoffene Hools und Ex Nazis.

Normalerweise würde ich auf Veranstalter und Einlass schimpfen, dieses Mal hat es uns selbst erwischt. Es war auf den ganzen Abend eher ein Vorteil, „dass man sich ja kennt“.  (Es ist auch eher so dass die Hools untereinander auf sich aufpassen) Es blieb extrem prollig, aber im Großen und Ganzen friedlich. Nun diese Stadt ist nicht sehr groß, das ganze Land ist nicht so groß, bei Hansa „bleibt Politik außerhalb des Stadions“ und wenn die schlimmsten Atzen aus der eigene Kickboxschule kommen, was soll man da machen?

Während der Zweiten Vorband hauten die meisten Fußballer ab. Es wurde zusehends übersichtlicher und bei Beginn des Tackleberrykonzertes gibt es eigentlich nichts mehr zu tun. Ab jetzt wurde der Abend doch wieder langsam aber stetig besser.

In Short words: Nach der Arbeit im Toxis Tackleberry sehen und Bier trinken. Auf dem Fußweg zurück in die Stadt beim JAZ ein Wegbier holen. Einen Begleiter bei einer unnötigen Rangelei verlieren (Man wollte sich lieber schlagen, als saufen, verliert dann und ist noch eingeschnappt, wenn man für diesen Schwachsinn kritisiert wird.). Vor dem Pirat stehen Oi! Glatzen rum. Allgemeines Hi und Hallo. Im Laden sitzen die Atzen aus der Kampfkunstschule. Pfeffirunde. Café Median hat zu. Wegbier kann man (dank Kneipenschlüssel) auch aus’m Lager holen. In der „Snackbar Flirt“ gibt es Techno. Tanzen. Vodka O. Irgendwann noch Pommes und nach Hause.

Beatpunkblog

November 24, 2006

Das von mir geschätzte Webzine beatpunk macht jetzt hier versuchsweise in Bloggerei.

Hab gestern noch nachts ewig per ICQ über durchgeknallte Amokläufer diskutiert. Es ging darum, in wie weit der letzte Amokläufer nachvollziehbare Motive hätte. Mein Diskussionspartner fand, dass die Tagebucheinträge des Typen durchaus zutreffende Beschreibungen der Gesellschaft enthielten. Warum findet er das so treffend, dachte ich die ganze Zeit. Und dann vielen mir all die „Wir gegen Die“ Texte Oi! Punk Bands ein, die er hört.

Dann dachte ich heute, ich werde mal ein paar der widersprüchlichen Texte aus zwei Broilers Alben mixen. Derjenige mit dem ich diskutierte hört die konkrete Band genauso gerne wie ich. Aber er ist, im Gegensatz zu mir, wirklich „Oi!“. Hier ist das Ergebnis:

„Wer wird uns retten?“ vs. „Unzerstörbar“

Ist er nun eine Seele von Mensch, schlägt das böse Herz tief in ihm drin?
Mit einer Waffe auf dem Schulhof schied er dahin. Wer wird uns wer wird uns retten? Zeitungen deiner Stadt sie schreiben, wissen über Flug und Fall bescheid.
Dozieren Dummheit mit viel Irrtum, wenig Klarheit und nem Fünkchen Wahrheit. Eine Nation verliert ihr Lächeln. Du trägst die Kugel an der Kette die nicht reißt. Dieses Leben muss man nicht verstehen. Ich hass die Straßen meiner Stadt doch sie sind die Verdammte Welt für mich. Am Wochenanfang spür’ ich sie besonders stark, die Dummheit, die mich hier umgibt. Der Schuss fällt schneller als die Tasche sich füllt, am getroffen, sein Gehirn an der Wand. Ich sah kein Licht hier zu dieser Zeit. Ich sah kein Licht hier, es tut mir leid.

Vs.

Rollt den roten Teppich ein, ich komme nicht. Und trockne die Tränen deine Sense wird ganz nass. Scheiß auf die Hoffnung und die Anderen, hilfst Du Dir nicht, dann hilft Dir keiner raus. An wen soll ich glauben, wenn nicht an mich selbst? Warum soll ich stolpern, über den der fällt? Die Fehler die ich machte, bade ich selber aus, denn Verlierer, sehen anders aus. Es steckt soviel mehr in einem Punkrocktape. Spürst Du die Töne und die Energie? Fühlst das nicht, dann hast Du nie gelebt. Diese Welt, du hast sie satt. Vertraust niemandem hier, du bist die coolste Sau der Stadt. Wir sind nicht ohne Grund und nicht vergebens auf der Überholspur des Lebens. Und wenn du fällst, bin ich bei dir. Zerreiße deinen Dornenkranz, heute Nacht bist Du unzerstörbar. Und falls wir doch einmal ganz unten sind gehen wir nicht betteln, Baby, wir gehen klauen. Das ist dein Weg und du sinkst hier nicht nieder. Sieh die guten Zeiten! Sie sieh, zerreiße deinen Dornenkranz!!!

(Aus den Broilers Alben: Verlierer sehen anders aus und Lofi)

Naomi Klein, Lübzer, Pisse

November 22, 2006

Vorhin habe ich mit einigen Freunden auf dem Rückweg vom Imbiß über die Restirrationalität bei der Wahl des Lieblingsgetränks geredet. Ich dachte dabei an Mythologien die erfolgreiche Marken um sich aufbauen müssen, um effektiv vermarktet zu werden. Die Wahl der Marke des Lieblingsgetränks – so der zugrundeliegende Gedanke- lässt sich nicht restlos rational begründen. Letztlich gehen wir alle bei unserer Wahl einem Mythos auf den Leim.

Die Antwort, die darauf von meinem Kumpel kam, war verblüffend kurz und treffend: „Ja natürlich ist das irrational. Warum Lübzer Pils wenn man auch Pisse trinken kann?“

Habt euch lieb

November 18, 2006

5. Den ganzen Weg hatte ich mir ausgemalt, wie ich mir noch einen Vodka mache, bevor ich anfange, dies alles zu schreiben aber jetzt will ich nur noch schlafen.

2. Wenige Hundert Meter später glänzt das vom Regen nasse Laub auf dem Mittelstreifen im Schein der Straßenlaternen.

4. Der (nahezu) 24h Döner am Doberaner Platz hat eine so lange Schlange, dass es sehr leicht fällt, trotz vom Alkohol geweckten Appetit, einen Bogen um den Fraß zu machen (nicht dass ich Döner generell verachte aber diesen Laden schon).

3. Debil aussehende Einlasser am Studentenkeller sind nicht das einzige Ärgernis auf einem nächtlichen Heimweg, wenn auch noch die Batterien des MP3 Players versagen.

1. Es ist heute noch nicht allzu viel los bei der „Baseballunit“(NoFi’s Namensgebung mit Bezug auf die letzte Party), und ich gehe – viel zu betrunken um zu tanzen – schon sehr früh wieder nach Hause (und irgendwie bin ich auch generell mit D’n’B durch).

Freitagnachmittag und mir ist überhaupt nicht nach Wochenende. Ich hocke in meinem Bett und schreibe. Mein Zimmer ist eine Müllhalde. In den letzten drei Tagen bin ich höchstens zum Duschen und Umziehen hier gewesen. Zwischen der ungewaschenen Wäsche auf dem Boden sieht man die Holzspäne, die ich aus dem Flur herein getreten habe. Sie kommen aber eigentlich von den Haustieren meines Mitbewohners. Ich weiß, dass ich faul bin und wie sehr es mich ankotzen würde, zum Aufräumen angehalten zu werden. Deshalb habe ich die Schnauze gehalten und nichts gesagt, aber nach anderthalb Wochen Versprechen „morgen wasche ich ab“, ist es genug. Ich hab echt keinen Bock mehr auf den Scheiß. Alles passt so schön scheiße zusammen und draußen ist alles grau.

Neue Kategorie

November 15, 2006

Hier gibt e jetzt eine neue Kategorie für Blogeinträge. Sie soll „die letzten abenteuer unserer zeit“ heißen. Den Anfang macht dabei, eine von mir nur geklaute Schilderung von wildeshalensee in der Kommentarspalte von Jakob.

„Also: U-Bahnbesetzung: eine Handvoll ältere deutsche Neukölln-Bollos, etwa 12 Punker mit ca 30 Hunden, 1 Türkengang, Touristengruppe, Hausfrauen, ich. Plötzlich streiten sich die Punker-Hunde mit dem Hund vom Bollo, der tritt Punkerhund, 12 Punker werfen ihre Bierflaschen auf den Bollo, treffen auch, aber nicht den Bollo, sondern nur die Touristen, viele Platzwunden, großes Gezeter von den Hausfrauen wegen Blutspritzer. An der nächsten Station alle raus bis auf mich, auf dem Bahnsteig Wachschützer gehen auf Punker los, Türkengendgang geht auf Wachschützer los, Hunde beißen mal hier mal da. Übernächste Station: Zug läuft ein, Bahnsteig voller Leute, mein Abteil: nur ich in einer Riesenblutlache, alles voll Scherben, Türen gehen auf, also DER Blick von den Leuten wars wert.“

Bei der Zeit gibt es ein
Video aus Dunkeldeutschland, genauer gesagt aus Ückermünde. Interessant ist ja nicht unbedingt die Einschätzung der üblichen Demokraten vor Ort. Die Argumente kennen wir ja alle und das Problem auch. Richtig interessant oder besser abstoßend sind die O Töne der Bevölkerung aus Ückermünde.

Marx lesen.

November 10, 2006

Hier wird gerade damit begonnen Marx zu lesen und zu diskutieren. Sehr interessant.

23.55 Uhr. Milla Jovovich war kurz davor gegen Nemesis anzutreten und wenn sie diesen Kampf gewonnen haben würde wollte ich beruhigt einschlafen. Gerade als sie sich mit der kleinen Angela an den Helicopter heranschleicht, höre ich Stimmen im Treppenhaus. Ich erkenne einzelne Personen unter dem Gewirr vor der Tür. „Scheiße ich weiß was jetzt gleich passiert.“
Nachdem die Kneipe geschlossen wurde, hatte mein Mitbewohner kurzerhand zum Weitersaufen in unserer Wohnung geladen. Wahrscheinlich hatte er von dem Kasten Bier erzählt, der in der Küche steht. So machte sich dann die Gruppe auf den Weg, die nun vor der Tür stand.
Ich habe gar nicht erst versucht, wütend darüber zu sein, dass ich das Schlafengehen abhaken konnte. Als das letzte Mal in unserer Wohnung weiter gesoffen wurde, konnte ich die halbe Nacht nicht schlafen. Auf einen weiteren erfolglosen Versuch hatte ich keine Lust. Also bin ich mit gutem Willen rüber gegangen und habe „Hallo“ gesagt. Ein Bier wollte ich noch mittrinken bevor ich zu Bett gehe. Um 4.30 Uhr bin ich dann schlafen gegangen und jetzt habe ich einen Riesenkater und sollte eigentlich in einer Veranstaltung in der Uni sitzen.