Vor Jahren, zu einer Zeit als ich noch ein Cut and Paste Printzine machte, habe ich auch einen anderen bereits sehr geschätzten Schreiber kennen gelernt. Ich wusste zuvor nichts über ihn, als dass was er in seinem Egozine „small but angry“ schrieb. Sein Zine war allerdings trotz der Größe (der Name war Programm, denn es passt in die Hosentasche) so persönlich und offen, dass man sich nur vom Lesen um einen Menschen sorgte den man garnicht kennt. Ein gemeinsamer Freund und die Organisation einer Veranstaltung mit einer Fanzineausstellung des Archivs der Jugendkulturen brachten langsam mehr Kontakt zwischen uns zustande. Irgendwann haben wir uns mal getroffen und dann stundenlang geredet, ganz so, als würden wir uns seit Jahren kennen. Dabei kannten wir aber eigentlich nur, was der jeweils andere geschrieben hatte. Von diesem Fanzineschreiber erhielt ich am Ende seines Rostockaufenthaltes ein Tape. Die A Seite war mit den Yeah Yeah Yeahs bespielt, die B Seite mit Against Me und ihrem Reeinventing Axel Rose – Album. In der Folge änderte das nicht besonders viel zumindest in Bezug auf mich und Against Me. Ich höhrte die Yeah Yeah Yeahs – Seite lieber.

Auf Klo lagen in meiner alten WG immer das OX Fanzine und die Mailorderliste von Green Hell Records. Das OX hat mich im Laufe der Jahre immer mehr gelangweilt. Heute gibt es nur noch wenige offene Fragen. Wie zum Beispiel die, ob Tom van Laak, Schreiber der Kolumne „Aus dem Tagebuch eines Gewinners“ sich eigentlich seine eigenen Beiträge hinterher noch mal durchliest. Bei anderen Menschen fällt es mir ja viel leichter Alkoholabhängigkeit zu konstatieren, aber bei ihm ist jede weitere Frage überflüssig. Imer das Gleiche. Das OX ist also wenig interessant. Für einen Klogang sind kurze Plattenbesprechungen einer Mailorderliste demgegenüber auch eine viel angemessene Textform. Sie sind die(!) ideale auf Toilette zu konsumierende Textform. Der Grund liegt einfach in ihrer Kürze. Meist werden nur kurz drei ungefähre Referenzen angegeben und ein kleines Foto des Covers sowie die Kaufempfehlung machen die „Review“ komplett. Es ist also ganz einfach: Hinsetzen, Liste aufschlagen, lesen…

„Zwei Jahre nach ihrem Debüt für Fat Wreck legen Against Me! ihr drittes Album vor und es braucht diesmal ein wenig mehr Zeit um in die Scheibe reinzukommen…. Die Songs wirken gereift und überzeugend. Für den Begriff Ehrlichkeit stand ja Against Me! eh wie kaum eine andere Band in der Szene und das wird beim neuen Album mehr als deutlich. Insgesamt ein würdiger Nachfolger zum “Eternal Cowboys” Album und eine Platte, die mit jedem Hören wächst.“

Aha! So ist das also!? Abwischen, Spülen. Fertig. Und so kommt mit der damals noch eintreffenden Bafögzahlung die Idee in meinen Kopf, es mit Against Me noch einmal zu probieren. Das, was da im Vergleich zu den anderen Alben weniger eingängig sein sollte, gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Searching for a Former Clarity war richtig geil.

Heute habe ich kein Bafög mehr. Ich habe jeden Monat Mühe Geld für Miete und den ganzen Scheiß zusammenzubringen. Aber das hat mit Against Me nicht so viel zu tun. Ich gehe auch kaum noch auf Konzerte. Also ich meine Hardcore oder Punkkonzerte und so Zeugs. Eigentlich gehe ich nur noch raven. Punk und Hardcore höre ich fast nur noch zuhause. Jetzt habe ich aber dennoch die New Wave und sie lässt sich nach dem ersten Durchlauf ganz gut an.

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