Der Plan

…war folgender: Nach den Werbeoffensiven in den letzten Wochen waren wir bezüglich der Ikeaeröffnung in froher, hoffnungsvoller Erwartung einer zünftigen Krawalleröffnung. Das Bild was uns vorschwebte war das einer bunten Mischung von Menschen: Rentner und Arbeitslose, Studierende und Leute, die extra früher in den Weihnachtsurlaub gegangen waren. Wir stellten uns vor, wie es wäre wenn sich all diese Menschen erbittert in einen Hobbesschen Kampf Aller gegen Alle um die Produkte der Aneboda Serie oder die Schlafcouch Klippan verstricken. Um ein solches Spektakel um keinen Preis zu verpassen, beschlossen wir ebenfalls vor Ort zu sein, wenn Ikea in Rostock seine Pforten öffnet.

Die Umsetzung:

Als redaktionell verarbeiteter Erlebnisbericht sollte unsere kleine Reise sogar als Arbeitszeit gelten und damit Geld einbringen, anstatt dass wir welches ausgeben würden. Gesagt, getan. Es war beschlossene Sache. Nur hätten wir uns sicher ein wenig Stress gespart, hätten wir nicht erst am Vorabend versucht Fahrräder aufzutreiben. Diese benötigten wir in jedem Fall, da Ikea fast auf die in diesen Zusammenhängen öfter bemühte „grüne Wiese“ gebaut wurde. (es handelt sich um ein vormals brachliegendes Messezentrum auf der grünen Wiese.)

Der Tag selbst

Früh am morgen machten wir uns mit Hilfe des ÖPNV und unserer Fahrräder auf den Weg. Es gab allerdings nicht nur die offizielle Eröffnung um 8 Uhr (! Ja, und wir waren schon wach. Unglaublich, oder?) sondern bereits eine Frühaufsteheraktion seit um 6 Uhr morgens und eine Family Eröffnung am Tage zuvor. Es wird bereits deutlich: Schlechte Zeiten für Träumer! Aus den erwarteten Szenen rasenden Kaufrausches besinnungsloser Konsumentenzombies wurde nichts. Am Parkplatz fuhren wir auf unseren Rädern die Autoeinfahrt ab. Überall waren Stiernacken Securities eingesetzt, um das korrekte Einweisen zu gewährleisen. Die meisten dieser Typen werden bekanntlich nur dafür bezahlt, gefährlich auszusehen und im Ernstfall auch sehr ungemütlich zu werden. Nur die Besseren bekommen auch dafür Geld, dass sie eine gewisse soziale Kompetenz an den Tag legen. – Aber ich schweife ab – Kurz und gut: Auf dem Parkplatz wurde uns von den entnervten Einweisern die erste Tracht Prügel in Aussicht gestellt obwohl es gar keinen Autoverkehr gab, den wir evtl behindern konnten. Am Gebäude angekommen wimmelte alles von Presse. Wahrscheinlich waren sie zum Besuch des OB im neuen Markt gekommen. Menschenmassen waren allerdings keine zu sehen. Und die sich nun entfaltende Entäuschung bereitete dem weiteren Stimmungsabfall den Weg. Eigentlich hätten wir wieder zurückfahren können. Wir besannen uns allerdings noch einmal unseres journalistischen Ehrgeizes (äähhem ;) ) und traten mutig die Begehung des neuen Markts an.

Das weitere in Stichpunkten:

-übermäßig viele Studierende haben sich als Promo-Sklaven anheuern lassen –jetzt müssen sie in bescheuerten Kostümen rumlaufen

-es gibt mehr Betreuung als Kunden

-für Spektakel läuft eine Blaskappelle durch den Markt und soll wohl so Mardi Gras –mäßig rüberkommen => kommen sie aber nicht, nerven tun sie allerdings gewaltig

-Ein Vertreter hat sich eine junge Frau geschnappt und klappert mit ihr alle 35qm Komplett-Einrichtungsboxen ab um Fotos von ihr zu machen – auch nicht schlecht

-Keine Toten oder Verletzten, nicht mal Gedränge auf den Gängen


Was vom Tage blieb

6 Antworten zu “Kloppen um Klippan – Oder: auf der Suche nach dem Spektakel”

  1. Merle sagte

    nicht zu vergessen:

    - das regal mit türen (man nannte es auch schrank)

    - die obligatorische schwangere am eingang

    und angestellte die jnur noch in einwortsätzen sprechen…

    ;)

  2. knusperflocken sagte

    ich hätte doch gedacht, dass die leute ikea die türen einrennen. die ossis sind auch nicht mehr, das was sie mal waren. ;-) . mein persönliches highlight beim einem ikea-besuch sind ja immer die vornamen der kinder, welche aus dem smaland abgeholt werden wollen. bei den eltern im 21. jahrhundert scheinen doppel- oder dreifachnamen der angesagte/ hippe scheiss zu sein. ich hoffe der hiesige ikea hat auch ein smaland, ansonsten kann er gleich wieder dichtmachen. kein ikea ohne smaland.

  3. huntingseason sagte

    ein sehr schönes småland sag ich euch. sehr schön. leider war ich schon zu groß :(

    … wie wir sehen, waren wohl doch alle da ;) man hatte sich eben einfach drauf vorbereitet und den ansturm durch family- und frühaufsteher-aktionen etwas abgemildert… für mich war es ein gelungener abend. hab mich endlich gefühlt wie in einer großstadt und hab weniger als 100 euro ausgegeben :)

  4. Wendy sagte

    Nur mal so: Eine Stadt, in der wegen einer Ikea-Eröffnung mittlere Unruhen erwartet werden, ist noch weit davon entfernt, eine Großstadt zu sein. aber huntingseason schreibt ja auch, sich “gefühlt” zu haben, wie in einer Großstadt…

  5. Da möchte ich dagegen halten dass es 1. nicht zu unruhen kam und 2. fragen wie vor diesem Hintergrund die Mediamarkt Eröffnung in Berlin interpretiert werden muss?

  6. Wendy sagte

    Touche (”accent” geht hier nicht)… :( Vielleicht ist es auch so, dass es in so Megacities, wie Berlinopolis tendenziell häufig zu Krawallen und Unruhen kommt, wenn irgendwas los ist, wo mehr als 1000 Menschen zusammenkommen. Btw.: Es war ein GROSSER Mediamarkt!

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