Die HdZ im Internet besprechen zu wollen ist ein höchst problematisches Unterfangen. Denn das Zine ist zunächst nur für Menschen von Interesse deren Unterstützung für Hansa Rostock so weit geht, dass sie nicht nur vorm Fernseher hocken, sondern auch mal ins Stadion gehen, so sie das denn dürfen. Ein zweiter Grund liegt darin, dass die HdZ sehr kurze Erscheinungszeiträume und einen begrenzten Umfang hat. Alles was ich hier quasi tun kann, ist das Phänomen umreissen. Wer aus Rostock kommt und sich für Hansa interessiert braucht so einen Text allerdings überhaupt nicht.

Was mich zunächst an dem Heft faszinierte ist der Fakt, dass es sich um ein klassisches DIY Fanzine handelt, wie ich selber mal eins gemacht habe. Das Zine wird gegen Spende bei jedem Heimspiel am Ostseestadion verteilt und befasst sich in der Hauptsache mit den vergangenen Spielen und dem jeweils aktuellen Gegner und deren Ultragruppen. Daneben finden sich in der HdZ Kommentare und Meinungen die zu Tagespolitik oder persönlichen Themen Stellung beziehen. Gerade in der radikal persönlichen Note besteht für mich auch der Reiz des Heftes. Der Meinungsartikel des “schlechten Gewissens” kritisiert Bullenstaat, fehlende Solidarität mit den Stadionverbotlern, fordert zu mehr Aktivismus im Sinne des Ultrà Gedankens auf, bezieht Stellung gegen Nazis und schreibt aber auch über Liebeskummer, Selbstzweifel und Enttäuschungen. Das lesen dann über 700 Menschen. Fanzinerei geht in den meisten Fällen mit einer gehörigen Portion Selbstdarstellung einher aber vor 700 und mehr Menschen, die einen dann auch noch mehr oder weniger kennen, über persönliche Probleme zu schreiben, finde ich als ehemaliger Egoziner ganz schön krass.

Auch im Layout und zwischen den Zeilen finden sich Statements und Referenzen, die so gar nicht in das Klischee des tumben Hansaschlägers passen. Auf der Rückseite der letzten HdZ findet sich beispielsweise eine Collage mit einem Tocotronic Text. Damit unterläuft die HdZ wieder einmal elegant Erwartungshaltungen und Perspektiven auf Hansa Ultràs a la Wendy (“Wie trist muss diese Stadt sein, dass sich die Leute dort nur mit Gewalt, Fußball und Fußballgewalt beschäftigen können?”). Bisheriger Höhepunkt in dieser Art war eine Rückseite mit dem Konterfei Kants und der sinngemäßen Aufforderung an die Leser den Mut zu haben, sich des eigenen Verstandes zu bedienen.

P.S.: Natürlich habe ich etwas wichtiges vergessen. Sehr amüsant sind auch die ans Licht der HdZ Öffentlichkeit gezerrten Profilbilder von Leuten aus lokalen Social Communities wie MV Spion oder NB Town, die sich “HoolsIchliebeEuch” oder ähnlich nennen und allerlei großartigen Schwachsinn zum Thema Fussballterror und Randale – immer wieder FCH zum Besten geben.

15 Antworten zu “Hinter dem Zaun – das Stadionverbotler Zine aus der Fanszene Rostock”

  1. knusperflocken sagte

    na endlich, wurde ja auch zeit ;O), aber hast du nicht die hooligan-spalte vergessen – immerwieder ein hochgenuss.

  2. Red_Angel sagte

    Kann mich deiner positiven Einschätzung nicht so anschließen. Sicher, der sehr persönliche Schreibstil ist nicht unsymphatisch, allerdings bevorzuge ich dann doch eher eine etwas nüchternere Art…

  3. Fanzines sind so oder so radikal subjektiv. Wer da nüchtern schreibt, vergibt sich Chancen auf eine interessantere Schreibe. Der Großteil der “Nachrichten” in der HdZ dürfte den Lesern bereits bekannt sein, die liest man wegen der Schreibe und der Meinungen.

  4. Red_Angel sagte

    Mir sind die Sachen meist nicht bekannt…

  5. hüpferin sagte

    Lesenswertes Heft, wie ich finde.Schön auch mal in andere Subkulturen zu schauen

  6. @ Red Angel

    hüpferin konterkariert das jetzt zwar aber ich würde sagen das Heft ist auch nicht so sehr für dich und mich sondern für Ultras geschrieben.

  7. [...] es noch ein gute nachricht für alle “hdz”-junkies, texte aus dem kritischen fanzine (rezension von besserscheitern) gibt es jetzt auch online [...]

  8. …und es ist kein Stadionverbotlerzine mehr sondern ein Infozine für die Kurve mit einer beachtlichen Auflagenzahl von 1000 Stück, so zumindest das Resümee in der aktuellen und letzten Ausgabe dieser Saison.

  9. [...] die sich fragen “Wer zu Hölle ist eigentlich die HdZ?”, können auch nochmal hier mal reinlesen. Ergänzt sei dazu noch, dass es schon lange nicht mehr nur um Stadionverbote geht und die HdZ mit [...]

  10. Stiefel sagte

    Hallo!
    Ja dein letzter Punkt scheint sehr amüsant zu sein, nur sehe ich das nicht so, weil ich da auch drin gelandet bin…es stand da wohl drinne, das ich mich als Hool ausgebe, was allerdings nicht stimmt, ich bin keiner und werde auch niemals einer sein. Mir wurde erzählt (ich habe sie selbst nicht gelesen), das es darum ging, das ich bei “nb-town” in der Lobby “rostocker hools” war…dies kam dadurch zustande, da ich mit dem Besitzer der Lobby öfter geschrieben habe, und er mich daraufhin da hinein einlud. Er selbst war ja auch noch nie im Ostseestadion zu einem Spiel. Ich finde es schon erstaunlich, das ich so runtergezogen werde wegen einer nichtsbedeutenden Lobby. Ich wäre auch gerne bei einem Spiel des FCH dabei, nur leider kann ich nicht/darf ich nicht, weil ich erst 15 bin und meine eltern ziemlich streng sind.
    gruß

  11. Ostseestadion 4-Ever sagte

    Hdz ist voll geil macht weiter so!!!!!!
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  12. Ostseestadion 4-Ever sagte

    Hdz ist voll geil macht weiter so!!!!!!

  13. [...] mehr zur “kameradschaft malchin” und den “peene vikings” gibt es hier und wer dann noch wissen möchte warum der kleine stiefel, der es als “gurke der woche” in die hdz geschafft hat, nicht zu hansa fahren darf, schaue hier. [...]

  14. Ultra'-FCH! sagte

    Der Schreibstil gefällt mir, es ist kesenswert und informativ. Ein ganz dickes Lob also an den Redakteur! Mach weiter so! Ich finde, das man in der HdZ jedoch mehr zu Auswärtsfahrten oder Heimspielen (gerade das A-Team) raten sollte. Villeicht bringt es ja was…Ich hoffe es mal. ;)

    Blau-Weiße Grüße aus dem Reich der Supporter!
    afdFCH!

  15. immer ostseestadion sagte

    eure texte…>einmalig

    >macht weiter so<

    leider schaffe ich ich es nicht immer dabei zu sein und die HdZ zu lesen, doch, wenn ich sie lese, dann freue ich mich, denn ihr seid ehrlich und direkt…es ist immer interessant und vielseitig was ihr an themen behandelt und ihr schafft es immer díe texte und themen so zu schreiben das man genau(…)hm…versteht!
    ich freu mich schon auf die nächste ausgabe und hoffentlich bald wieder mal ins OSTSEESTADION reinzuschauen…gruß an alle südler =)

    *lieben gruß an die heimat*

    -luisa-

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