Besserscheitern macht „speziezistische Kackscheisze“…
April 20, 2008
…und geht in den Zoo.
Ein sonntäglicher Gang in den Zoo erschien zunächst gar nicht so absurd, nachdem die Freitagnacht trotz fehlender Party doch noch sehr lang wurde und infolgedessen auf einen Samstagsexzess verzichtet wurde. Doch die Idee kam eigentlich auch nicht von mir. Ich bin nur mitgegangen und musste in der Bahn feststellen, dass offenbar halb Rostock bereits um 10 Uhr morgens mit der Linie 6 (- na ratet mal wohin –) fahren wollte. Beim Aussteigen aus der Bahn habe ich dann auch geschnallt, was der Grund des riesigen Auflaufs und offenbar auch unseres Besuchs war. In einem dieser Wurstblätter, die einem umsonst in den Briefkasten flattern, wenn man nicht mit Hilfe eines „Keine Werbung Einwerfen!“ Schildes vorsorgt, lagen Gutscheine, die für je zwei Personen freien Eintritt versprachen.
Ich bin seit Jahren nicht mehr im Zoo gewesen und einer der ersten Eindrücke war dann auch, dass heute alles viel kleiner ist. Wie sich erst sehr viel später erweisen sollte, waren wir ziemlich früh dran, doch bereits jetzt waren die Gehege der Tiere nur mit sanftem aber bestimmten Körpereinsatz genauer zu besichtigen. Das erste Gehege, indem ich tatsächlich ein Tier sah, bot dann auch gleich Gelegenheit für Projektionsleistungen, denn in diesem saß ein gelangweilt und traurig wirkender Gorilla. Dies war ein erster Einbruch von Realität in das Sonntagsfamilienausflugsidyll zoologischer Garten. Aber, Hey! Das war auch irgendwie klar. Bei so hoch entwickelten Säugetieren sind immer ein paar Identifikations- und Projektionsprozesse im Spiel. Also weiter gehts. Die am deutlichsten studierbare Spezies an diesem Tage blieb jedoch der Mensch, von dem klar ist, dass er an sich ja gut ist, die Leute aber scheiße sind. Und heute sind sie auch noch viele. Vor allem sind es viele junge Familien, denen sonst das Eintrittsgeld fehlt, die heute in Massen heranströmen. Sie erzeugen in mir dasselbe ungute Gefühl das ich habe, wenn ich durch Plattenbauviertel gehe oder am Nachmittag Privatfernsehen schaue. Ob angesichts solcher Empfindungen die Frage danach angebracht wäre, was noch, außer dem eigenen scheinbar grenzenlosem Narzißmus dahinter steckt, wenn ich, wie so oft, von Welt verbessern plappere – diese Frage verdränge ich mit Absicht immer wieder. Überhaupt gibt es so einiges zu verdrängen.
Bekanntermaßen gewinnen die menschlichen Triebe bisweilen ordentlich an Macht, wenn sie nicht unmittelbar einer Befriedigung zugeführt sondern sublimiert werden. Das gilt für Sex ebenso wie für Gewalt gegen Nazis. Begegnet man ihnen in freier Wildbahn, setzt ein natürlicher Jadgtrieb ein. Im Zoo ist natürlich alles anders und so bleibt nur die Flucht in die Phantasie. Während des Slalomlaufs durch die wuselnde Menge von neunjährigen Kindern und ihren Eltern laufen die Bilder wie ein Film vor dem geistigen Auge ab. Unter dem Geräusch des brechenden Nasenbeins erstarrt die Welt des jungen Kameraden und gleich, wenn er in den Marketingstand der städischen Wohnungsbaugesellschaft sinkt, wird sein frisches, rotes Blut das Hemd unter der geöffneten Thor Steinar Jacke beflecken, auf dem in Frakturlettern die Worte Ehre, Stolz und Vaterland stehen. – Natürlich dürfen solche Triebe nicht zugelassen werden und fallen der Verschiebung in die Traumwelt zum Opfer. Und das am Hitlergeburtstag. Was für ein Scheiß!
Ordentlich voll ist es dann wieder am Eisbärenkäfig. Des öfteren fällt der Name Knut, wobei auch wirklich allen klar sein müsste, dass Knut nun wirklich garnichts mit den Rostocker Eisbären zu tun hat. Einer der Bären hat ne ziemlich hässliche Wunde am Bein und humpelt daher, während er das Publikum anbettelt. Dieses bemerkt zum Teil sein Leiden, hat aber in jedem Fall keine Steaks auf Tasche, um dem Gepeinigten ein wenig den stressigen Nachmittag zu versüßen. Eine Station weiter ist ein anderer Eisbär ganz allein eingesperrt. Er ist sehr groß und man möchte gerne glauben, dass die Bisswunde nebenan und sein Eingesperrtsein hier in einem dierekten Zusammenhang stehen könnten. Der Große ist auf seine ganz eigene Art traurig anzuschauen, denn er liefert eine Pantomimische Interpretation von Rilkes Panther. Es sind keine tausend Stäbe die an seinem Auge vorbeiwandern, doch auch er dreht sich im allerkleinsten Kreis. Immer und immer wieder.
zu der wunde der bärin…der bär in einzelhaft hat der bären eine gelangt daher die wunde…ich glaube der name des “bösen” bären lautet churchill und leidet unter zoonose oder sowas ^^
aber wir sind auch ganz froh das der terror vorbei is…hab mich nach dem blick aus dem fenster auch nich wirklich getraut in den zoo zu gehen…
wir dachten kurz daran, dich anzurufen und zu fragen ob du gut schlafen kannst.
Zoonose? Mich erinnterte das an sowas: http://de.wikipedia.org/wiki/Hospitalismus#Psychischer_Hospitalismus_.28Deprivationssyndrom.29
In der Arktis verhungern die Viecher, im Zoo langweilen sie sich. Was is nu besser?
Durch die Klimakatastrophe sind sie auch noch in anderer Hinsicht besonders bedroht: http://www.titanic-magazin.de/index.php?eID=tx_cms_showpic&file=uploads%2Fpics%2Fcard_1451536126.jpg&bodyTag=%3Cbody%20bgColor%3Dwhite%20leftmargin%3D%220%22%20topmargin%3D%220%22%20marginwidth%3D%220%22%20marginheight%3D%220%22%3E&wrap=%3CA%20href%3D%22javascript%3Aclose%28%29%3B%22%3E%20%7C%20%3C%2FA%3E&md5=2f0ecbb58a9b1effffad56d2eabf79d3
Wenn schon gehen, dann so:
http://www.edgar.de/ecards/cards/7257.f353fa9819a92ca1b6efddee0254d96a228694c4.400.jpg
Da haben wir wenigstens alle was von!
Mhhm, Eisbär….