Scheiß Spiel!

Oktober 15, 2009

„Studierendenzahl in Rostock auf Höchststand“ -meldet die Universität Rostock auf ihrer Homepage. 14.705 Studierende hätten sich an der Universität Rostock zur Zeit eingeschrieben. Das seien so viele wie noch nie zuvor. In der Pressemitteilung heißt es weiter: „Das ist ein hervorragendes Ergebnis“, sagte Rektor Prof. Dr. Wolfgang Schareck, der angesichts dieser Zahlen aber vor Euphorie warnt: „Die schweren Jahre liegen noch vor uns. Der demografische Wandel wird uns nicht verschonen.“

Doch wie sieht der Uni-Alltag zu Beginn des neuen Semesters aus? Allenthalben kann man Klagen über bescheuerte Einschreibungsverfahren und überfüllte Seminare vernehmen. Denn was bei aller Begeisterung über die Zahlen nicht erwähnt wird, ist dass der Platz für die Studierenden nicht „mehr“ geworden ist. Und so wird in diesen Tagen wieder mal gedrängelt, geschubst, geschoben und nicht in Seminaren zugelassen was das Zeug hält.
Aber wir sollten ja auch nicht vergessen, dass die Uni nicht der Ort ist, um irgendwelche hehren Ideale von freier Bildung für alle zu gewähren, sondern um neue Eliten auszusieben und den Arbeitsmarkt zu entlasten.

Honneth vs. Sloterdijk

September 29, 2009

Der sog. „müde Wahlkampf“ wurde allenthalben damit begründet, dass sich weder SPD noch CDU vor einer Wahl dazu äußern wollten wie die Zeche in Zeiten der Krise zu zahlen sei. Nun werden wir es bald erfahren. Vor diesem Hintergrund ein Hinweis auf eine Auseinandersetzung zwischen Axel Honneth und Peter Sloterdijk.

Wir erinnern uns noch alle an den Vorstoß, den letztes Jahr zwei Wirtschaftswissenschaftler der Universität Chemnitz unternahmen. Friedrich Thießen und Christian Fischer hatten herausgefunden, dass 132 Euro Hartz IV im Monat reichen. Und wir erinnern uns alle sicherlich der Emotionen, die diese Nachricht hervorrief: Auf die Fresse sollen sie kriegen und zwar richtig, oder mindestens fortan nur noch mit 132 Euro pro Monat leben. Den Rest des Beitrags lesen »

Das Video vom „Einsatz“ der Bullen in Berlin macht im Netz gerade die Runde. Hier ein paar Links mit denen es zu allen wichtigen Sachen geht.

Das besagte Video zum Download

Das Lawblog

Netzpolitik.org

Der CCC fordert Kennzeichnungspflicht für Bullen

Das ganze ist ja eigentlich nüscht neues. Also das Bullen machen, was Bullen machen. Hier haben sie es allerdings – und das ist mal das Erfreuliche- mit Nerds zu tun, die sich mit Medien auskennen und die üblichen Bullendesinformationsstrategien unterlaufen können. Und so können und werden hoffentlich mal mehr Menschen als sonst lernen, objektiver an das Verhalten polizeilicher Einsatzkräfte heranzugehen.


(Foto via)

Die Snackbar Flirt am Saarplatz gibt seit einiger Zeit in der KTV noch einmal ein Zeugnis davon, wie Gentrifizierung funktioniert. Dabei handelt es sich um einen Prozess, der im Stadtteil Kröpeliner Tor Vorstadt nach den Möglichkeiten, die Rostock als größte Stadt in Mecklenburg Vorpommern bietet, ziemlich abgeschlossen zu sein scheint. Das heißt das Stadtteilbild ist vor allem durch Studierende und andere Pseudo-Schickies auf der einen, sowie Yakuza, Ed Hardy und La Vida Loca Träger_innen auf der anderen Seite geprägt. Die meisten Ureinwohner aus der Zeit vor und kurz nach der Wende sind weg. Und bis auf die laute Minderheit der Subkulturen in bestimmten Lokalen ist das Viertel allenthalben von beliebiger Langweile geprägt. Nicht völlig zu Unrecht haben die Nazis aus dem East Coast Corner/ jetzt Dickkoepp zu ihrer Gründungszeit den Sturm der Entrüstung seitens des Viertels mit dem Verweis abgelehnt, dass die KTV längst kein alternativer Stadtteil sei. (So ganz stimmt dies natürlich auch nicht, denn wenn es so wäre wie sie sagen, gäbe es keinen Grund für sie ausgerechnet dorthin zu ziehen. Reines Geschäftemachen ginge in anderen Stadtteilen viel einfacher.)

Die Snackbar Flirt fällt bislang aus diesem Bild des langweilig sauber gewordenen Stadtteils heraus. Die Bar besteht im wesentlichen aus einem Tresen und einer Imbissküche mit Straßenverkauf. Das Ambiente ist auffallend un-schick. Hier wurde seit langem nichts erneuert und genau das machte die Bar in den letzten Jahren (Start war eine Fully Loaded Party, wobei die beiden anderen Locations des Abends bezeichnenderweise heute geschlossen sind. Good Clean Fun, KTV – Bähh!! ) und seit einigen Monaten vermehrt zu einem beliebten Veranstaltungsort für Parties. Die Bar ist klein, sehr eng, verraucht und trashig. Zuletzt fand allerdings nicht nur Techno in der Snackbar statt, sondern sogar eine Lesung. Damit wird das Lokal langsam zu einer echten Adresse über eine begrenzte Feiergemeinde hinaus.

Die Snackbar hat etwas, was andere Läden nicht haben und das heizt einige, die sich mit ihrer konzeptuellen Geschmacklosigkeit verzocken, zu peinlichen Beißreflexen gegen neue, vermeintlich bedrohliche Locations an. Doch auch das Atmosphäre-Schnorren ist ein parasitärer Prozess, der dem Nachtleben auf lange Sicht zusetzt. Denn mit dem Erfolg der Snackbar wird sie sich den Ast, auf dem sie sitzt, absägen bzw. sich des Alleinstellungsmerkmals berauben. Die Snackbar ist aufgrund ihrer Größe kein Ort für Veranstaltungen mit hohen Besucherzahlen und die Parties dort leben davon, dass nur eine geringe Anzahl von Auserwählten kommt. Anders als bei der Gentrification des Viertels geht aber bei der Snackbar nach oben nicht viel. Aufgrund der Lage auf einer Verkehrsinsel kann das Lokal nicht ausgebaut werden. So bleibt eigentlich nur die Zeit zu nutzen bevor das Ganze kippt und der Laden von den Ämtern bedroht wird oder die geschmacklosen Horden zur Invasion drängen. Und dann isses mal wieder vorbei.

Nie wieder nett

Juli 5, 2009

Zu Besuch beim Bionade Biedermeier im Freigarten des HDF das gleiche Bild wie seit drei Tagen: Volle Hütte, Ü30 und alles irgendwie furchtbar „nett“. Der Laden hätte auch innerhalb kürzester Zeit zu einer Location für schöne Feierei werden können. Aber wer soviel Gäste anzieht, zieht auch die Anwohner für Recht und Ordnung und die Konkurrenz (warum eigentlich Konkurrenz, bei deren Zielgruppen??) Der Eimersauf-Niveau Veranstalterschuppen auf sich. Und zack wackelt der Schwanz mit dem Hund und das Ordungsamt verschickt Briefe. Am Freitag also nur Aftershow-Party irgendeiner Lesung. Die Musik ist mit Irgendwas treffend umschrieben, wobei passend zu einem bestimmten Typus von Besucher_innen im ehemaligen HDF viel sog. Ostrock dabei ist. Ich warte auf dieses Lied hier, aber das kommt nicht. Ein älterer Herr, Typ Germanistik oder Geschichte Professor an der Uni überblickt mit angesäuertem Gesicht das Abgebot auf dem Grill. Lässt gefüllte Auberginen und Scampi-Spieße links liegen und bestellt dann „Eine von diesen angekohlten Würstchen, bitte“. Es folgen weitere mehr oder weniger hilfreiche Tips eines professionellen Besserwissers. Der DJ spielt „Nie Nett“, die absoluten Beginner singen davon, dass sie Buden brennen und Sandalen rennen sehen wollen. Das anwesende Kulturbürgertum pariert souverän mit ihrer schärfsten Waffe: Toleranz

Richtig Scheiße ist außerdem: Wetterumschwünge gerade dann, wenn man zum Strand fahren will. Autonome Nationalisten Bürschchen sehen und leider gerade FlipFlops tragen. Prolls, Studenten und Studentenprolls, die an der Warnow rumlungern. Und warum ziehen diese kleinen Picaldi-Gangster aus dem Viertel nicht mal die unerträglichen Junggesellenabschiedsidioten ab, statt Gleichaltrige und wen sie dafür halten zu terrorisieren?

Schöner Scheiß, wenn man sein Auto irgendwo in der Niklotstraße parkt und es hinterher nicht mehr da ist, weil die Jugendlichen das „Tal der Fliegenden Fäuste“ zu einer soooo authentisch-subkulturellen Hintergrundkulisse gemacht haben, dass Filmleute davor gerne Sachbeschädigungszenen drehen wollen. :D

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QuickPost

Warum gab’s eigentlich kein opulentes Catering für „uns“, immerhin haben „wir“ ja die Kulissen „gebaut“?

Etwas Besseres als die Nation

Useless geht ausbaufähig, aber umfangreich auf die neuesten Streiche im Hause Endstation Rechts ein.

Alles ist die Sekte

Außerdem findet am 7. Juli eine öffentliche Veranstaltung mit Theo Wentzke, Redakteur der Zeitschrift
Gegenstandpunkt, mit einem Leistungsvergleich VWL und Karl Marx vor dem Hintergrund der aktuellen Krise. Wer aus Rostock kommt hier regelmäßig liest und schon immer wissen wollte woran sich diese irrationalen Reflexe gegen den „GSP“ festmachen, sollte vorbeischauen. Ich schau es mir auch an. Details folgen sicher noch die Tage.

Zwei Ohrwürmer, beide penetrant, einer super, der andere unsagbar trashig, werden hier von Weezer in gefälliger Weise präsentiert. Et Voila:

Da die Altermedia ungefragt connecten will, um Synergien zu erzeugen und Kommunikation herzustellen. Lass ich mich mal darauf ein und übernehme auch ungekürzt einen Altermediabeitrag. Ui! Jetzt dreht er durch! – Könnte man meinen, aber: Nein! Denn der übernommene Beitrag ist es wirklich wert.

Stammkommentarspaltenhasser und Wirtschaftsmigrant Wolzow(„ich bin ein Mensch der schonungslos immer offen das sage was ich denke oder fühle ohne Respekt auf die Gefühle und Verständnis der anderen“) hat eine Review zum gestern in den norwegischen Kinos angelaufenen und hier auf Besserscheitern bereits via Trailer beworbenen Nazi-Zombie-Splatter Dead Snow verfasst. In der Besprechung findet sich alles was des Hobby-Sozialpsychologen Herz erfreut. Pathische Projektionen, Narzistische Kränkungen und ganz oft auch profaner Neid. Ich freue mich nun der hoch geschätzten Leser_innenschaft Wolzows Ergüsse zum Analysieren vorzuwerfen: Den Rest des Beitrags lesen »

Stöcker aus Amsterdam

Dezember 19, 2008

Herr Go! Fidelity wirft zum Jahresende das Stöckchen und Besserscheitern springt. Puhhh! Album des Jahres, hä?

Da gibt es ein Problem und zwar, dass ich nicht so gerne einem Album den absoluten Vorzug vor anderen gebe. Ich könnte mich nun auf die sichere Seite begeben und sagen das persönliche Album des Jahres 2008 wäre Morgan Geists Double Night Time. Das ist gut und von 2008, kein Problem also. Probleme gibt es dennoch bei einer solchen Aussage: ich habe zwar 2008 auch mal wieder echte Tonträger gekauft. aber so richtig doll reinhängen tu ich mich da nicht. Musik wird vor allem im Internet und auf Parties gehört.

Ausserdem fand ich auch anderes gut: Bengas Diary of an Afro Warrior zum Beispiel oder Carl Craig und Moritz von Oswalds Bearbeitung von Bolero und Bilder einer Ausstellung auf Recomposed Vol. 3.

Ich tu mich da also schwer, habe aber zumindest drei Kandidaten benannt. :P Weitermachen kann ja 1+1=3 da bin ich gespannt was da rauskommt.

Ein altes Sprichwort sagt: Wenn urbane Penner eine Reise tun, dann können sie sich was erzählen. Zum Beispiel, wie all die Brüche in ihrem Leben eigentlich immer Veränderungen zum Besseren waren. Während die 160km/h draußen die Landschaft entlang der A20 zu einem ewig währenden Panorama zusammenziehen, lässt man drinnen den einen oder anderen Studienabbruch Revue passieren. Trotz knietiefem Dispo immer alles positiv sehen, gehört zum Lebensstil dazu. Wo die Soziologie mit dem Begriff der Paradoxien kapitalistischer Modernisierung hantiert, wird drinnen die Grundlage für die weitergehende individuelle Flexibilisierung gelegt. Und das heißt vor allem: Tapfer bleiben, auch wenn ehrlich gesagt alles richtig Scheiße ist. Denn sonst hangelt es sich nicht mehr so elegant von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob. Übrig bleiben, würden nur die Rückenschmerzen der regelmäßig eintretenden Abstürze. Daher: Locker bleiben und die guten Seiten sehen!
Nicht meine ehemaligen Geldgeber, diese Schwachköpfe haben sich verzockt und können seit fast einem Jahr nicht zahlen. Nein und nochmals Nein! Ich wollte ja garnicht mehr für die arbeiten. Ich habe es in dem Scheissladen eh nicht mehr ausgehalten und ohne die gehts mir ja viel besser. Ich kann jetzt wieder in den Spiegel schauen (nur nicht in meine Geldbörse). Und so weiter und so fort…
Der November gibt sich heute in blassem Grau und feinem Sprühregen. Ich sitze im Auto habe so eben erfolgreich die Schlacht um eine Handvoll Euros mehr geschlagen. – Ähhem was wollte ich sagen? Ich hatte da diesen Ohrwurm vorhin…